Der Muezzin ruft die Gläubigen bereits um 6:30 zum Morgengebet und uns aus dem Schlaf. Heute singt er satte 8 Minuten und scheint sich mit seinem etwas weiter entfernten Kollegen zu battlen. Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt und können die Geräuschkulissse schon ganz gut in den Schlafrhythmus integrieren. Aber.., kurz danach hören wir ein lautes Fauchen. Es kommt in immer kürzeren Abständen und die Lautstärke nimmt immer mehr zu.
Etwas schlaftrunken schauen wir aus dem Wohnwagen und sehen unzählige bunte Heißluftballons direkt neben unserem Stellpatz aufsteigen und über uns hinwegfliegen. Immer wieder flackern die Gasflammen mit Getöse auf und der Wind schiebt die Ballons über uns hinweg. Ja, jetzt können wir wirklich aufstehen. Michael geht erst mal duschen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken.
Auf Willy's State Camping stehen wir direkt vor dem UNESCO Weltkulturerbe, den inzwischen wieder schneeweißen Kalksinterterrassen. Noch vor 20 Jahren hat der unkontrollierte Tourismus erhebliche Schäden verursacht und diesen einmaligen Ort mit Hotels und Schmutz überzogen. Jetzt erstrahlt dieses schöne Fleckchen Erde wieder im alten Glanz, denn auf dem schönen Weiß darf man nur noch barfuß laufen.
Es lässt sich erstaunlich gut auf dem Weiß laufen und wir lassen uns von dem herabfließenden Wasser umströmen. Wir saugen die Elektronen nur so auf und steigen immer höher, von Becken zu Becken in immer wärmere Temperaturen. Auch für das Auge wird (für Michael) etwas geboten, denn neben der schönen Natur sind auch knapp bekleidete Naturschönheiten unterwegs. Die vielen Nymphen lassen sich in lässigen bis lasziven Posen von ihren Fotografen vor dem Panorama ablichten. Einige tragen große Engelsflügel, die man unweit mieten kann. Wir genießen die vielen Eindrücke.
In einem schönen Café gibt es erst einmal etwas Süßes und türkischen Kaffee aus golden verzierten Tassen. Die türkischen Süßspeisen sind der Hammer: Eis-Baklava, Firin Sütlac (Milchreis, überbacken mit einer Karamellschicht im Ofen) und unglaublich vieles leckeres mehr.
Wir bekommen den Tipp nach Karahayit zu fahren, weil dort die heißen Heilquellen Kirmizi Su sind, die touristisch nicht so bekannt sind. Eine Quelle mit 70 Grad heißem Wasser sorgt für die notwendigen Temperaturen. Da das Wasser sehr mineralreich ist, zeigt sich hier eher eine rötlich-braune Färbung. Die 8 km sind ein Katzensprung für uns Weltenbummler, daher packen wir sofort die Sachen und fahren zu dieser Sehenswürdigkeit.
Tatsächlich sind hauptsächlich Einheimische vor Ort. Die Frauen können sogar in die heiße Quelle hineingreifen und sich mit dem brühend heißen Wasser die Hände waschen. Wir versuchen es auch, aber es ist für unsere Büro- und Schulhändchen einfach zu heiß. Wir finden, dass wir wirklich eine schöne Zeit miteinander haben.




























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